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Das Apple iPad

Mittwoch, 27. Januar 2010 von Michael Praetorius

Das Apple iPad ist seit Monaten mit Spannung erwartet worden und konnte es nur schwer haben, die großen Erwartungen zu erfüllen. Eine Revolution der Medienbranche sollte das Gerät auslösen. Bücher, Zeitschriften und Tageszeitungen ersetzen. Und so wundert es auch nicht, dass Apple Chef Steve Jobs selbst sagte, eine vergleichbare Aufregung um eine kleine Tafel dürfte es zuletzt gegeben haben, als Moses vom Berg Sinai herabstieg und die 10 Gebote präsentierte.

Was dabei herauskam ist allerdings alles andere als eine Wunderwaffe, die ganz Industrien zum Einsturz bringen soll. Für Besitzer eines Smartphones oder Netbooks gibt es kaum Argumente, sich das Appel Tablet zu kaufen. Auf den zweiten Blick ist es nicht einmal besser als das iPhone.

„Wir nennen es iPad“, fügte Steve Jobs an und präsentierte die neueste Apple Entwicklung, einen tragbaren berührungsempfindlichen Bildschirm mit 24cm Bildschirmdiagonale, der per Internetverbindung Inhalte herunterladen kann. Das Gerät ist in der Tat als elektronisches Buch gedacht, für das Apple zusätzlich zum iTunes Store für Musik und Filme und dem AppStore für kleine Programme künftig auch einen iBook Store anbieten will.

Ob Apple damit zum weltweiten Zeitungskiosk werden wird, und den Zeitschriftenmarkt umkrempeln wird ist fraglich. Ich glaube es nicht. Zwar wirkt der Amazon Kindle, der aktuell erfolgreichste eBook-Reader, neben dem iPad wie ein veralteter Taschenrechner aus den 80er Jahren, aber ist perfekt für das Lesen von Büchern gebaut und verzichtet auf Batterieraubenden Schnickschnack. Im Vergleich: die Batterie des iPads soll 10 Stunden halten, ein eBook-Reader wie der Kindle kann tagelang verwendet werden ohne geladen werden zu müssen

Das iPad dagegen soll laut Steve Jobs die kleinen tragbaren Netbooks ersetzen. Auf dem iPad lassen sich E-Mails lesen, Office-Anwendungen ausführen, Filme ansehen, Musikhören und die meisten der rund 140.000 Apps für das iPhone und den iPod Touch nutzen. Darunter sind Videospiele oder der leichte Zugang zu sozialen Netzen wie Facebook.

Das iPad ist ein Internet-Tablet. Per drahtlosem Internet per WiFi oder eine UMTS-Mobilfunkverbindung sollen die Inhalte von unterwegs auf das iPad geladen werden. Darüber hinaus können Filme, Musik, Bücher und Apps auch per iTunes vom Computer zuhause auf das Gerät geladen werden. Eine Version mit WiFi und 16GB Speicher will Apple Ende März für 499 Dollar auf den Markt bringen. Eine Version mit Mobilfunkverbindung soll im Juni in Europa folgen. Hier fallen dann zu den Gerätekosten noch monatliche Verbindungskosten bei einem Telefonanbieter an. Diesmal ist das Gerät aber nicht an einen Mobilfunkdienstleister gebunden, sondern kann frei verkauft werden.

Die Präsentation des iPads war aber auch enttäuschend. Apples Entwicklung bleibt weit hinter den Erwartungen. Steve Jobs zeigte Dinge, die es längst gibt in hübscherem Gewand. Das Apple iPad ist keineswegs ein Ersatz für Notebooks und Notebooks, so wie Steve Jobs behautet. Es ist allenfalls ein Wegweiser für andere Hersteller und die Verlagsbranche, wie die Zukunft aussehen kann.

Was man beim iPad vergeblich vermisst:

Kamera:
Keine Kamera, keine Kamara, nein, es gibt wirklich keine Kamera. Das ist fatal. Wie beim iPhone zu sehen gibt es längst Anwendungen für sogenannte Augemented Reality. Dabei filmt man die Umgebung und bekommt live Informationen auf einem Bildschirm angezeigt. Hält man in Bayern zum Beispiel die Kamera Richtung Gebirge, wird auf einem iPhone-Bildschirm angezeigt, wie der jeweilige Berg heißt. Ähnliche Anwendungen auf dem iPad hätten so manche Industrie revolutionieren können. Ärzte hätten das iPad vor einen Patienten gehalten und darauf passende Informationen aus der Krankenakte gesehen. KFZ-Mechatroniker hätten das Gerät vor Teile des Autos gehalten und dazu eine elektronische Betriebsanleitung gefunden.

Multitasking:
Das iPad ist im Gegensatz zu allen anderen Tablet-Computern und Netbooks nicht in der Lage zwei Anwendungen gleichzeitig auszuführen. Das bedeutet man kann zum Beispiel nicht die Musik von Youtube-Videos laufen lassen und gleichzeitig E-Mails lesen.

Erweiterbarer Speicher
Das iPad hat 16GB bis 64GB Speicher. Das ist im Vergleich zu anderen derzeit erhältlichen Tablet-PCs und Netbooks ein Witz. Es lässt sich weder eine externe Speicherkarte noch eine USB-Festplatte anschließen. Die Hoffnung vieler Experten, Apple würde iTunes als Cloud-Anwendung präsentieren verstummte. Musik muss weiterhin auf dem Gerät gespeichert werden und kann nicht wie längst möglich über das Internet gestreamt werden, egal wie viel Speicher das Gerät hat.

USB-Anschlüsse
Netbooks leben von der Möglichkeit, viele Dinge anschließen zu können. Eine Maus, eine Tastatur, eine Digitalkamera, einen Drucker, eine Webcam... Einen USB-Anschluss für solche Geräte sucht man beim iPad vergeblich. Auch lassen sich per Bluetooth nicht alle Geräte anschließen, sondern vorraussichtlich nur schnurlose Stereo-Kopfhörer. Der einzige Anschluss ist ein Dock-Connector für den Apple-eigenen Standard, so dass teures Zubehör erforderlich ist.

Flash
Apple hat sich mit dem iPod Touch und dem iPhone ein eigenes Wirtschaftsimperium geschaffen. Bestehende interaktive Websites, die mit der Software Adobe Flash programmiert wurden und bereits seit Jahren durch das Web geistern, werden auf dem iPad als Fehlermeldung erscheinen. Solche interaktiven Anwendungen müssen nun erneut als iPad App programmiert werden. Steve Jobs versprach Programmierern einen Goldrausch, in Wahrheit steckt dahinter aber auch jede Menge doppelte Programmierarbeit.

HD-Videoein- oder Ausgang
Mit dem iPad lassen sich Filme aus dem Web herunterladen und auf dem hochauflösenden Bildschirm ansehen. Dieser ist aber weder ein echter Breitbildschirm, noch lassen sich andere HD-Monitore ohne Qualitätsverlust anschließen. Auch kann man keine anderen Abspielgeräte anschließen, um das iPad als tollen Monitor zu verwenden.

 

weitere Videos:

iPAD!!!! I TOUCHED...
The iPad is a Come...

Bildergalerie:

Beiträge auf anderen Websites

Wenn Träume platzen: Das Apple iPad

Es hätte der ganz große Wurf werden sollen, der Tablet-Computer von Apple. Statt dessen ist das iPad nur ein hübsches Gadget, das weder dem Internet im Allgemeinen noch dem Mediensektor im Speziellen eine klare Richtung weist. Die im Mediensektor vielfach erwarteten Lösungen für Zeitungen und Zeitschriften fehlen: Den Verlagen bleibt nur der schon bekannte Weg über Applikationen im App Store. Damit lassen sich zwar Paid Content Konzepte sehr gut umsetzen, zugleich aber macht sich jeder Anbieter, der diesen Weg beschreitet, vollkommen von Apple abhängig. Steve Jobs sieht dem offenbar gelassen entgegen, denn das erste Promotionvideo zum iPad spricht mit einem Lächeln vom “Gold Rush” und den unbegrenzten Möglichkeiten, die im Konzept der Applikationen liegen.

Live from the Apple \'latest creation\' event

Will the Apple tablet finally, really be unveiled? We're at the Yerba Buena Center in San Francisco (see above) patiently waiting to get inside and get this thing underway! Keep reading after the break for the minute by minute coverage!

Live Apple “Come see our latest creation” / tablet event coverage

It’s going down! This is the place to be for live coverage of (what we can only assume is) Apple’s tablet launch event — possibly the most hyped Apple introduction since the original iPhone. Read on, because tablet or no tablet, this is going to get interesting.

Steve Jobs & Apple – wie alles begann

Steve Jobs – kaum einer kennt die Geschichte des Mannes, der die Computer-, Musik- und Telekomindustrie revolutionierte. Wie er als Teenager den Telefon-Riesen AT&T hinters Licht führte und was den jungen Zen-Schüler nach Deutschland verschlug, bevor er mit 26 Jahren Apple Computer gründete. Gebt mir ein paar Minuten – und ich gebe Euch: all about Steve.

Kommentare zu “Das Apple iPad”

  • von Ralf Greis

    Eine aus meiner Sicht sehr passende Einschätzung. Welche Strategie dahinter steckt kann man nur vermuten... ist sie frei gewählt oder von bestehenden technischen Einschränkungen beeinflusst. Sollte der Wunsch nach Wachstum und Marktanteilen der Ziel-Definition zugrunde liegen, so scheint eine vermutete Strategie der Abschottung, der Kontrolle eines Marktanteils schlecht gewählt. "Your strenght can become your weakness" so die Erkenntnisse strategischer Lehrmeister (SunTsu-The Art of War).

    Fragt man "What would Google do?" so steht der offene Plattform-Gedanke im Vordergrund. Interessant erscheint mir in diesem Kontext die Entwicklung von JooJoo, eine Art "Open Source-Entwicklung" https://thejoojoo.com/sites/ Noch vorhandene Defizite in der Ausstattung wären nach Offenlegung des iPads sicher zu beheben... Dann braucht es halt nur noch eine Mami oder Papi die den Mantel und die macht einer Markteinführung übernehmen.

    Jedenfalls würde das MIKI http://my-miki.com dort jetzt schon brillant drauf funktionieren

    Schau mer mal

  • von Markus Breuer

    Sehe ich deutlich anders. Siehe http://notizen.posterous.com/das-apple-ipad-erste-bewertung

    Und nur die Zeit wird's zeigen (wer Recht hat). Was Apple hier erfolgreich geschafft hat, ist, den ersten Vertreter einer neuen Gerätekategorie vorzustellen (Nein! Die alten Tablet-PCs zählen nicht.) Der Bedarf dafür ist gewaltig und in wenigen Jahren wird so oder so ähnlich der Standard-Formfaktor für die Mehrzahl der mobilen PCs ausschauen. Pads und mobile Telephone werden die präferierten Geräte sein, mit denen man ins Internet geht und mit Anwendungen interagiert.

    Nein, darauf wird es kein "Standard-Betriebssystem" in sichtbarer Form geben, weder OS X noch Windows noch Linux. Das will keiner und braucht keiner. ChromeOS ist auf dem selben Weg unterwegs und es ist der richtige :)

  • von Harald Link

    Sehe das genauso. Mit der praktizierten Abschottungspolitik - fast ist man geneigt, "Gleichschaltung" von Hardware, Software und Content-Shopping dazu zu sagen - wird sich Apple mittelfristig keinen gefallen tun. Das ist nicht mehr zeitgemäß.
    Das Design ist zwar ansprechend, aber nach wir vor gilt: form follows function. Dazu aber müssten erst einmal alle heute notwendigen functions vorhanden sein.

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