Radiodays Europe in Barcelona

Es wird Zeit für echtes Digitalradio

Michael Praetorius vor 30 Monaten
Das "echte Digitalradio" wird weder über UKW noch über DAB oder DAB+ empfangen werden. Diese Pille ist für Radiomacher schwer zu schlucken, denn die Websites vieler Radiosender sind immer noch schlecht, die Webradios oft unterirdisch und von Online-First ist man in den Köpfen vieler Radiomacher noch weit entfernt. Dabei hat das Medium Radio eine so große Chance: Das Web ist mobile, live, lokal und so verdammt persönlich geworden - Radiomacher würden also alles mitbringen, was es braucht, um das Medium Radio in die nächste Generation zu überführen. So waren die RadioDays Europe auch ein Realitätscheck.

"Spotify ist doch kein Radio",...

meinte jemand aus dem Publikum nach dem Vortrag von Kurt Hanson, "Well, let the listeners and advertisers decide", antwortete Hanson. Das Thema Spotify war präsent in allen Köpfen, darunter aber auch die für mich unverständliche Einmündigkeit, dass man mit Websites, Social Media und Online-Streams kein Geld verdienen kann. Wer so denkt, sollte seine Online-Aktivitäten sofort abschalten und sich das Geld sparen.

Online ist keine Erweiterung zum Programm,...
sondern muss zum Grundprinzip des gesamtem Worfklows und der Verbreitung der Inhalte werden. Dann klappt's auch mit dem Werbemarkt, der stagniert nämlich für Radiosender bei 5%, während der Online-Werbemarkt wächst. Print-Verlage haben es geschafft, vom wachsenden Online-Werbemarkt zu profitieren.

Targeting und Personalisierung werden belächelt.
Der Werbemarkt kaufe lieber Masse, so die vorherrschende Meinung. Dass der Werbemarkt aber längst auf zielgruppengenaue Werbung, jederzeitige Kampagnenanpassung und Erfolgsauswertungen steht, wird unter den Tisch gekehrt. Auch die halbjährliche Auswertung der Einschaltquoten ist ein schlechter Witz, der nicht mehr zeitgemäß ist.

Mobiles Audiostreaming ist im Massenmarkt angekommen...
und auch im Auto, wo 30% der Radionutzung stattfinden, doch auf Smartphones, Tablets oder App-fähigen Endgeräten konkurriert Radio in meiner Flatrate eben auch mit allen anderen Online-Angeboten. Daher wollen Sender, weiterhin lieber konkurrenzlos via UKW oder DAB senden. In Realität haben die Sender aber längst ihr Distributionsmonopol verloren und müssten sich dies entweder durch steigende/gleichbleibende Relevanz im Netz, oder entsprechende Verträge oder politische Rahmenbedingungen zurückkämpfen.

Den Impulsvortrag mit den hier genannten Thesen gibt es nicht online zum Ansehen oder anhören, zum Abschluss der RadioDays Europe in Barcelona haben Daniel Fiene (Was mit Medien) aber noch einmal über den Dächern der Stadt über die Hausaufgaben nachgedacht und ein kleines Kollegengespräch aufgezeichnet.

Über den Autor:

Michael Praetorius

Michael Praetorius, geboren 1978 in München lebt heute als Publizist und Medienberater in München und Berlin. Dort leiter er die Geschäfte der NOEO GmbH. 

Praetorius ist ein Medienmensch und spezialisiert auf Strategien, Konzepte, Anwendungen und intermediäre Inhalte für das Web. Zu seinen Auftraggebern gehören Verlage, Fernseh- und Radiosender, Videospielepublisher, Agenturen und Behörden. Praetorius ist zudem langjähriger TV- und Hörfunkjournalist und lehrt junge Journalisten an unterschiedlichen Einrichtungen wie dem AFK München oder der Privatsenderpraxis in Wien. An der Bayerischen Akademie für Werbung und der Deutschen Dialogmarketing Akademie ist unterrichtet Praetorius Medienmanagement, Online-Marketing und Social Media Strategien. Privat agiert Praetorius als Blogger auf dieser Website oder als Video-Blogger in der Münchner Isarrunde und Berliner Spreerunde.

 


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