Im Kühlschrank steckt das Internet der Dinge

Autor: Michael Praetorius vor 31 Monaten

Jahrzehnte lang standen Haushaltsgeräte auf der internationalen Funkausstellung ohne zu funken. Doch jetzt im Jahr 2011 wird alles ganz klar, diese Geräte wollen künftig ganz alleine ohne uns miteinander reden. Machine-to-machine Communication nennen die Mobilfunkbetreiber dies. Sie gehen davon aus, dass künftig mehr Maschinen und Geräte eine Sim-Karte besitzen als heute noch die Handykunden. Kühlschränke zeigen Kochrezepte aus dem Internet auf einem Display in der Kühlschranktür, Getränkeautomaten an U-Bahnstationen bestellen per Handynetz neue gekühlte Getränke und Snacks und Taxifahrer optimieren die Wartezeiten und Routen via intelligenter Handynetze und Bestellsysteme. Die IFA bringt alle diese Welten zusammen und endlich ist mir klar, warum der Fernseher, das Internettablet und die Waschmaschine nur ein paar Meter voneinander weg stehen.

Die internationale Funkausstellung zeigt, dass sie der CES in Las Vegas und der CeBit in Hannover den Rang ablaufen kann. Alle Hersteller überschlagen sich mit Neuheiten. Für mich ist es immer spannend, zu sehen, wo die Reise hingeht. Mich interessieren keine Hardware-Details oder Typennummern. Ich schaue mir an, was die Berliner Besucher begeistert, führe ein paar Gespräche mit ihnen und staune ebenfalls manchmal Bauklötzchen. 

Es menschelt im Internet - und das auch ohne Computer.
Alle Geräte auf der IFA scheinen online zu sein. Handys, Fernseher, Tablets, Kühlschränke, Roboter-Staubsauger. Brauchen wir zum Surfen dann noch einen Rechner? Das frage ich am Stand von Dell, den YouTuber Wohnprinz und den Social Media Experten von Dell, Thomas. Wir stellen fest: Es menschelt im Web. Soziale Netzwerke sind der größte Motor der Branche. Die Communities zählen zu den Top Websites und sind einer der größten Publikumsmagneten auf dem Handy. Doch künftig kommen die sozialen Netzwerke auch ohne Computer oder Handy zu uns. Mit den vernetzen Fernsehern könnten Facebook und Co auch zu echten Killer-Apps auf dem heimischen Wohnzimmerfernseher werden. Wozu noch einen PC oder ein Notebook, werden sich Menschen fragen, deren Beruf nicht vor einer Computertastatur stattfindet. Für diese gibt es auf der IFA alles, was mach braucht, um dennoch nicht vom digitalen Leben ausgeschlossen zu werden. Auf dem Fernseher werden künftig die Apps installiert. Vor den neuen Fernsehgeräten fuchtelt wie bei einer Wii-Konsole von Nintendo mit der Fernbedienung vor dem Gerät herum, um die kleinen Miniprogramme zu steuern. Videodownloads von Netflix, Google Maps oder Spiele zählen zu den Top-Apps.

Was vom Rundfunk auf der Rundfunkausstellung übrig bleibt
Von Rundfunk- und TV ist wenig übrig geblieben. Eine Autogrammstunde von Anne Will am ARD-Stand, vielleicht. Die Radio- und TV-Sender sollten hier sehr gut erkennen, dass ihr Funk künftig LTE heißen könnte, und dass das Internet zum zentralen Distributionskanal für Radio und Fernsehen wird. Doch wie weit ist der Netzausbau für den UMTS-Nachfolger? Auf der Karte bei Vodafone am Stand sieht man, dass das 4G Netzwerk in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Zuerst soll das neue Netz diesmal auf dem Land kommen, man will zuerst die weißen DSL-Flecken auf der Karte ausmalen. Das fordert auch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. In den Ballungsräumen soll UMTS erst mal reichen. Das ist ein gutes Ziel. Man soll von jedem Ort schnellstmöglich auf der Datenautobahn sein. Das schnelle Web ist in vielen Orten Deutschlands noch eine Tempo 30 Zone. Das soll sich ändern. Dem Kühlschrank oder Staubsauger ist das heute noch egal. Aber wie lange noch?

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