Digitale Events als Livestream in höchster Qualität

Checkliste für Digital-Events

Virtuelle Messen, virtuelle Pressekonferenzen, virtuelle Keynotes - die Corona Krise hat gezeigt, dass viele Ereignisse auch als Livestream funktionieren. Allerdings spielt die Qualität dabei eine entscheidende Rolle, um sich von unzähligen Zoom-Konferenzen abzusetzen.

Als Erfolgsfaktoren für Digital-Events gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die sich als entscheidend herausgestellt haben:

  • Dramaturgie für Live-Events
  • ausfallsicheres technisches Live-Equipment
  • perfektes Format für Livestreams
  • Anpassung auf Plattformen wie Linkedin, YouTube, Instagram oder Facebook
  • Exklusive Einbindung von Kund:innen und der Zielgruppe

Produktion von digitalen Live-Events

Das Corona-Jahr hat gezeigt: Livestreams sind kein Hexenwerk. Durch das Überangebot müssen sich Unternehmen mit Events bei Linkedin, Facebook, YouTube oder mit Live-Videos auf der eigenen Website allerdings qualitativ abheben.

Michael Praetorius hilft bei der Konzeption von Streaming-Events und unterstützt mit dem eigenen Streaming-Studio bei der Umsetzung. In einem kompakten Video-Kurs "Livestreaming in sozialen Netzwerken" werden die wichtigsten Schritte erklärt. Wer es individueller braucht, kann sich per Sprechstunde beraten lassen.

Checkliste für Digital-Events:

Folgende Punkte sollen dir bei der Planung des nächsten Digital-Events und Livestreams helfen, damit lassen sich die Kosten und der Aufwand im Vorfeld und während des Events besser planen.

Kernbotschaft

In sozialen Netzwerken ist die Verweildauer oft kurz. Entscheidend ist die visuelle Kommunikation und ein sofortiger Einstieg in das Thema. Daher geht es um visuelle klare Botschaften. Digitale Events sollten das Thema maximal erlebbar machen. Überlege dir, welche Bilder den Zuschauer:innen im Kopf bleiben sollen. Welche Produkte und Personen sollen zu sehen sein, wie ist der visuelle Gesamteindruck, wie können abstrakte Themen, die eher über den Ton erzählt werden, visuell verständlich gezeigt werden?

Im Beispiel dieser Neuheiten-Show des Spielwarenherstellers Märklin ist das Produkt der Star. Es ist selbst dann, wenn Personen sprechen, übergroß in der Nahaufnahme oder auf großen Monitoren im Hintergrund zu sehen. 

 

Szenen

Sind Gäste live im Studio? Werden Gäste per Videokonferenz zugeschaltet und gibt es Präsentationen oder Filme, die eingespielt werden sollen? Dies sind Fragen, die man im Vorfeld als Szenen planen kann. Mit der Anzahl der Szenen steigt der Aufwand. Zu viele Einstellungen machen die Sendung unruhig, aber sie lockern das Erlebnis für die Zuseher:innen auch auf und können zur Verständlichkeit der Themen beitragen. Dabei bieten sich auch Einblendungen oder Splitscreens an, die aber höhere Anforderungen an die Bildmischung erfordern.

In diesem Beispiel der Medientage München fährt eine bewegte Kamera durch ein großes Studio. Gäste sind per Videokonferenz zugeschaltet und entweder auf einem Screen neben der Moderatorin zu sehen oder als Splitscreen. Die Bedienelemente der Videokonferenz werden mit einem passenden Branding (Masken) überlagert. Diese Masken müssen im Vorfeld statisch oder animiert vorproduziert werden. Bei den Medientagen München wurden mehrere Studios per SRT-Streaming vernetzt (Bayerischer Rundfunk, ProSieben, Sky, Mediaschool) und von einer zentralen Regie von der Produktionsfirma Crushed Eyes Media auf eine eigene Plattform gestreamt.

Mit einer zweiten Kameraperspektive steigen der Aufwand und die Kosten. Ein Bildmischer muss von einer Person bedient werden. Wer ein ideales Livebild will, sollte mehrere baugleiche Kameras mit Wechselobjektiven verwenden. Im besten Fall gibt es noch die Möglichkeit eines Colorgradings mit Live-Luts für perfekte Farben, wie sie sonst nur bei einer Nachbearbeitung möglich wären.

 

Bühnenbild & Beleuchtung

Die Kulisse und das visuelle Ambiente spielen eine große Rolle bei Live-Events. Der Aufbau der Bühne ist dabei wesentlich aufwendiger als bei einer klassischen Konferenz oder Pressekonferenz. Der Hintergrund sollte möglichst ruhig sein, farbige Scheinwerfer, Projektionen und Flächen geben dem Raum Tiefe. 

Gerade beim Streaming spielt die Beleuchtung eine entscheidene Rolle: Durch die Komprimierung geht viel Helligkeit verloren. Damit Farben und Helligkeit auch im Stream perfekt aussehen, sollte genügend Licht eingeplant werden. Deshalb ist eine gute Beleuchtung mit Licht aus mindestens drei unterschiedlichen Richtungen das Minimum. 

In diesem Beispiel der Global Sustainability Days der Allianz Global Investors, produziert von SUPERAMA, kamen Softboxen und LED Lights zum Einsatz. Zudem wurden im Hintergrund auf acht verschiedenen Computern Speaker:innen als Video- und Audiosignale vorbereitet und über eine Liveregie in die Sendung gemischt. Die Herausforderung war es hier Ton und Bild aus allen Quellen lippensynchron über lange Leitungen in den finalen Stream zu bekommen.

Für das Erlebnis der Nutzer:innen ist ein guter Ton entscheidend. Er ist sogar wichtiger als ein gutes Bild, da ein schlechter Ton sofort negativ auffällt und zum Abschalten bewegt. Die Wahl der Mikrofone ist also ebenfalls entscheidend, Ansteckmikros, Headsets oder mit Logos bedruckte Handmikros - bei professionellen Streams kommen sogar mehrere Mikros zum Einsatz. Bedruckte Mikrofone haben den Vorteil, dass sie ein Branding ohne weitere Grafiken im Bild ermöglichen. Mit etwas Vorlauf produziert die Firma Schulze Brakel hochwertige Schaumstoffaufsätze für Handmikrofone.

 

Plattform

In diesem Beispiel wurde das Querformat eines Livestreams von RedBull für einen Livestream im Hochformat auf der Plattform TikTok angepasst. Dabei wurde darauf geachtet, wo das Userinterface der Plattform von wichtigen Elementen im Video überlagert wird.

Letztendlich wurde das finale Bild von einem 4K Monitor mit dem Smartphone und der TikTok App abgefilmt. Der Ton wurde extra über eine Smartphone-kompatibles Audio-Interface abgenommen.

Die Features der jeweiligen Streaming-Plattform sind ein wichtiges Kriterium: 

  • YouTube, Twitch, Linkedin und Facebook haben unterschiedliche Nutzungsverhalten.
  • Es gibt je nach Plattform Einschränkungen im Format und der Länge des Streams.
  • Bei Instagram sind Streams auf 60 Minuten Länge begrenzt und können nur 24 Stunden im Nachgang gesehen werden
  • Bei YouTube und TikTok funktioniert das Livestreaming (mit externer Kamera bei YouTube) erst ab einer gewissen Anzahl an Abonnenten.
  • Bei Plattformen im Hochformat muss zudem das Eventformat auf den vertikalen Screen angepasst werden.

Genau wie TikTok und Instagram erlauben auch andere Plattformen nicht die Nutzung einer externen Kamera, manche Plattformen ermöglichen nur die Verwendung der Smartphone Kamera oder der Webcam im Notebook. Mit machner Hardware lässt sich allerdings eine Webcam simulieren, so dass man auch mit einem HDMI oder SDI Signal auf diesen Plattformen senden kann.

Testen im Vorfeld: welche Video-Capture Hardware wird von der Plattform als Webcam oder Videosignal erkannt, Welche Qualität im Stream ist damit möglich? Manche Webcam Hardware erlaubt nur ein Streaming in 720p andere Geräte können auch eine Webcam mit 1080p simulieren. Schließt man statt einer normalen HDMI Quelle dann das Programmsignal einer Live-Regie an, lassen damit großartige Live-Events realisieren.

Allerdings muss man in den oben genannten Lösungen auch immer den Ton extra ausführlich testen, damit nicht das falsche Audiogerät von der Plattform verwendet wird.

 

Live-live oder aufgezeichnet-live

Ein Livestream kann auch aufzeichnet sein und zeitversetzt live gesendet werden. Viele bekannte TV-Formate aus dem linearen Fernsehen werden so ausgestrahlt. Dabei ist es allerdings wichtig, dass die Sendung nicht geschnitten aussieht, sondern ein "Echtzeit-Erlebnis" bleibt. Die große Herausforderung ist dies im "Run of Show" oder dem Sendeplan mitzudenken.

Die Kür ist es eine Live-Sendung mit aufgezeichneten Modulen zu kombinieren, so können zum Beispiel Videokonferenzen und Präsentationen imselben Set aufgezeichnet werden und später mit anderen Live-Elementen live in die Show moderiert werden. Das kennt man aus der Tagesschau bei Studiogesprächen. Schnittbilder, Einspieler oder zuvor abgefilmte Präsentationen verbessern das visuelle Erlebnis. Zudem geben sie der Live-Crew einen Moment des Durchatmens und verringern das Risiko von Pannen.

In diesem Beispiel des Events the Power of SAP der Henrichsen AG wurde im 48Forward Studio gedreht. Das Event wurde per Vimeo live auf die Website des Unternehmens gesendet. Dort mussten sich Geschäftspartner registrieren, um den Livestream sehen zu können. Vimeo hat den Vorteil, dass Videos auf eine bestimmte Domain begrenzt werden können. So läßt sich eine Registrierung vor den Stream bauen.

 

Interaktion & Einbindung

Die Einbindung der Zielgruppe ist wunderbar, solange sie die Dramaturgie und Kernbotschaft der Sendung nicht aus dem Ruder laufen lässt. Zudem werden viele Livestreams auch im Nachgang noch als lineares OnDemand Video gesehen - oft sogar mit weitaus mehr Views. Daher sollte die Interaktion klar in das Format eingebaut sein. Ein moderierter Text-Chat während der Sendung mit Expert:innen, eine Live-Umfrage in der Sendung als zugespiele Grafiken (z.B. mit dem Tool Slido) oder ein Q&A als fester Bestandteil mit vorher ausgewählten Gästen in der Sendung.

Fazit: Ein gutes Live-Event ist in Punkto Interaktion nicht nach der Sendung zu Ende, sondern geht in den Kommentarspalten weiter.

Der Aufbau der Reichweite ist für die Interaktion eine der größten Herausforderungen, Live-Events müssen im Vorfeld massiv beworben werden. Hilfreich dazu sind Landingpages, die mit Displayanzeigen oder Social Media Ads beworben werden, Newsletter ans Bestandskontakte, aber auch analoge Werbemittel wie Flyer im Handel oder in Paketsendungen können helfen. Sinnvoll ist es dann auch, wenn Live-Events regelmäßig oder als kurze Serie stattfinden.

Die Medientage München streamten über eine Woche lang live, die Global Sustainability Days der Allianz Global Investors waren ein Dreitägiges Live-Event und Märklin hat in der Vorweihnachtszeit zweimal die Woche ein Live-Format gesendet.

 

Ausfallsicherheit

Was machen, wenn der Stream abbricht? Für ein Live-Event ist das ein Drama. Daher sollte das Wichtigste doppelt vorhanden und abgesichert werden:

  • Hängen Kameras am Netzteil und zusätzich an Akkus?
  • Sind die Mikros doppelt vorhanden und bereits eingeschaltet und verkabelt?
  • Gibt es mindestens eine Reserve-Kamera, die über einen Notfall-Bildmischer jederzeit in den Stream eingebunden werden kann?
  • Gibt es eine zweite Internetleitung über die gleichzeitig dasselbe Signal (z.B. über die Plattform Restream.io als Backup Stream) gesendet wird.
  • Sind alle Personen vor auf mögliche Pannen vorbereitet?

Bei einem Live-Event sollte als Kritische doppelt vorhanden sein und auch doppelt aufgebaut sein, Pannen sollten vorher als Notfallplan durchgespielt werden.

 

Team

Life is live: Bei den helfenden Händen hinter den Kameras sollte es klare Aufgaben und Rollen geben: Kamera, Bildmischung, Ton, Betreuung der Gäste / Onboarding der Studiogäste in der Vidoekonfernez, Zuspielung von Videos und Präsentationen, Moderation des Chats, Technische Leitung... eIn Livestream-Team liegt gerne bei 5 Personen und mehr hinter den Kameras. Zudem sollten die Moderator:innen für Live-Events vorbereitet sein und entsprechendes Medientraing bekommen haben.

 

Budget & Ressourcen 

Qualtität kostet Zeit und benötigt das richtige Werkzeug. Wer sich visuell absetzen will muss in das Personal vor und hinter den Kameras investieren, in die Zeit für Proben und das nötige Equipment. 3-4 Tage Vorbereitung mit dem gesamten Team für Planung und Proben sind dabei absolut realistisch. 

 




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