Podcast-Equipment und Tools im Web

Die Goldenen Regeln für Podcaster

Michael Praetorius 12.10.2008

Ich habe neulich beim Barcamp München und beim Barcamp Berlin ein wenig aus dem Nähkästchen eines Podcasters und Radiomachers geplaudert. Ich arbeite seit vielen Jahren bei ANTENNE BAYERN und podcaste seit Januar 2006. Im folgenden Video gibt es einen Mitschnitt vom Barcamp in Berlin zum Thema Audio- und Videopodcasting, der Planung, dem Equipment, Moderation und Verpackung. Die Gadgetfreun.de hatten mich auf die Idee gebracht, die Podcast-Session zu halten. Es gibt einen schönen Liveblog der Podcast-Session bei Xonio, und eine Zusammenfassung von Stefan Freimark.

Die Goldenen Regeln für Podcaster

Macht kein Radio: Ich genieße es als Podcaster, aus Formaten auszubrechen und kann nur jedem Podcaster empfehlen, sich nicht an Radioformaten oder 1-30-Minutenregeln zu halten. Ich liebe das Münchner Aus- und Fortbildungsradio, bei dem ich unterrichte. Dort sage ich den Nachwuchs-Radiomachern in meinem Kurs exakt das Gleiche. Brecht aus, solange ihr es noch könnt, aber lernt die Technik und das Handwerkszeug. Gleiches gilt nach meiner Meinung für das Podcasten: Fragt eure Podcast-Hörer, was Sie hören wollen, beteiligt sie an der Produktion, indem ihr Euch Intros oder Meinungen als Audio schicken lasst, oder macht gleich einen Talkcast. Ein Podcast sollte aber nur so lange sein, wie das Thema es trägt. 

 
Arbeiten mit der Content Pyramide: Stellt euch beim Publishen in Online-Medien zwei Pyramiden vor. Eine steht auf dem Kopf, die andere steht normal. Eine Pyramide visualisiert den Nutzer, die andere den Content. Die Spitze steht für wenig, der Boden für viel. Beginnt mit wenig, leicht verständlichem Content für viele Hörer, Leser oder Zuschauer, je tiefer und komplexer der Content wird, desto Weniger werden ihn nutzen. Die beste Ausschöpfung steckt wahrscheinlich in der Schnittmenge der beiden Pyramiden. Nach diesem Prinzip lassen sich auch Websites bauen. 
 
Setzt das Mikro als Waffe ein oder macht es unsichtbar: Ich konnte heute nur ein paar Tricks aus der Radiolandschaft ausgraben. Welches Mikro verwende ich bei welcher Gelegenheit, wie setze ich meine Mikro als Waffe gegen meinen Interviewgast ein, oder wie nehme ich Interviewgästen die Angst vor einem Mikro. Verwendet Ansteckmikros, wenn ihr selbst Lampenfieber habt. Ein Mikro, das man nicht sieht ist gar nicht mehr da. 
 
Moderiert und podcastet in Sinnschritten: Ich erzähle das eigentlich bei jedem Reportage-Training, Interview-Training oder zuletzt auch dem Web-TV Seminar an der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding. Teilt den Raum, in dem ihr sitzt in vier Ecken auf, das ist leicht, jede Ecke steht für einen Aspekt oder Gedankengang. Nach vier Gedanken in einem Take, sollte der Satz mal eine Ende haben, eure Stimme sich senken und vielleicht ein zweiter Podcaster eurer Episode zu Wort kommen. 
 
Sprecht euch Überschriften und setzt akustische Trennlinien: Eine abwechselnde Stimme lockert jede Podcast-Episode auf. Das ist wie eine akustische Trennlinie in einem Audioblog. Auch kleine Bumper (Sound-Effekte) können einen Strich unter ein Thema setzen. Stefan Freimark war Teilnehmer der Podcast-Session auf dem Barcamp München (BCMUC08) und hat in seinem Blog fast wörtlich mitgeschrieben:
Was untscheidet Podasts von Webcasts bei Youtube und Co? 
Es macht keinen Unterschied, ob man eine Serie von Folgen (Podcast) aufnimmt, oder nur einmal einen Audiobeitrag: In der Produktion kommt es auf das Gleiche an. Es spielt keine Rolle, ob es auf einem iPod, im Quicktime-Player, bei YouTube oder der PSP abgespielt wird. Als Audiobeitrag ungeeignet, wenn immer nur einer spricht.
Product Placement Productplacement ist in Videopodcasts etwas leichter. Im Hintergrund kann eine Logowand stehen, T-Shirts können bedruckt sein, schick sind vor allem Logos auf dem Windschutz. (Herstellung z.B. bei Schulze Brakel) Eine Vermischung von redaktionellem Inhalt und Werbung sollte man natürlich vermeiden. Ich bin ein Freudn von klarer Abgrenzung zur Werbung und dem Inhalt.
Mikrofone Die Leute halten das Video zu weit weg. Und bei Interviews muss man mit dem Mikro nah ran. Daher: Ansteckmikro verwenden, das vergisst der Interviewpartner nach 5 Minuten! Ein Mikrofon kann auch eine Waffe sein, wenn man es Leuten nah ans Gesicht hält. Beim Mikrofon auf die Niere achten: Je nachdem was man aufnehmen will. Sennheiser E840S ist ein kurgelförmiges Mikrofon mit einer kugelförmigen Niere, das gut Sachen im Vordergrund aufnimmt und ein bisschen Hintergrundgeräusche. Lange Mikrofone sind geeignet um Geräuschquellen von weiter weg aufzunehmen. Aufnahme Aufnahme machen sie beim Radio in einem 5.1-Studio, aber sie hören es sich auf einem Küchenradio an: Wenn es da gut klingt, klingt es überall gut. Ich verwende bei meinen Audioaufnahmen am liebsten ein Sennheiser E840S. Für Videopodcasts bietet sich eher ein Ansteckmikro an - ich empfehle eines von Thomann
Software »Die günstigsten Tools sind oft die besten: GarageBand, Audacity, Magix. Im Profi-Bereich beim Radio ist es DigAS. Soundtrack von Apple (bei Final Cut dabei) zu teuer und kompliziert. Tipp: Aufnehmen und anhören, wie einem die eigene Stimme am besten gefällt, dann als Set abspeichern. Beim Podcast zu zweit einfach zwei Spuren aufnehmen. 
»Verpackung ist die halbe Miete« Bekanntheitsgrade entsteht auch über die Verpackung. Die meisten Podcasts beginnen immer gleich: mit einem Opener. Das nervt! 50 Folgen muss man sich jedes Mal die 8 Sekunden anhören. Je skurriler desto besser; am besten nicht von den Moderatoren sprechen lassen. Er macht es bei seinem Drahtlos-Podcast so: Am Anfang kurz das Thema anreißen, dann den Opener. »Man kann auch was kaputt hauen in der Küche, das gibt schöne Trennelemente. Es tut jedem Podcast gut, wenn es Trennelemente gibt. Sehr angenehmen jemanden zu haben, der einem die Überschriften spricht. Laut und deutlich, Präsenz zeigen. Dann hast Du eine Überschrift gesprochen und dann kannst Du wieder 2 Minuten 30 labern, ohne dass es den Leuten langweilig wird.« Frage aus dem Publikum: »Was hältst Du von Soundteppichen?« Antwort: »Ja, aber sparsam. Nichts ist schlimmer als ein 24-minütiger Soundteppich.« Tipp: GEMA-freie Musik oder die Sachen die bei Programmen wie GarageBand dabei sind. Empfehlung aus dem Publikum: SoundTaxi.net, kostet was, aber man findet das Richtige. »Oder wie Annik Rubens: Jede Woche dazu aufrufen, dass sie neue Intros braucht.« Noch aus dem Publikum: Soundteppich darf nicht zu laut sein. »Ducking-Funktion von GarageBand ist ganz schlecht, geht ständig rauf und runter.
Frage aus dem Publikum: Script? Ich habe 6 Monate lang Podcasts gemacht die gescriptet waren, und das ist sehr zeitaufwändig. Alle seine Freunde und Bekannten aus der Szene haben ihm gesagt sie fänden es besser wenn es ungescriptet ist, weil man es gemerkt hat. Normale Hörer fanden es witzig, aber er hat sich dann gegen Scripts entschieden da ihm die Zeit fehlte. Du musst in den Text Versprecher einbauen, unsinnige Atmer, Denkpausen. »Macht Euch das Script wo Ihr hin wollt. Dieser Raum hat 4 Ecken – wenn ich darüber Rede was das BarCamp ausmacht, kann ich mir 4 Aspekte aussuchen und die Ecken zuordnen: Spontaneität, unbekannte Leute kennenlernen, eine eigene Session halten, morgen wieder arbeiten aber das Wochenende trotzdem nicht verplempert. […] Podcast üben heißt anderen Leuten die Mailbox vollquatschen. […] Sprecht in diesen 4 Ecken und Ihr werdet schnell lernen in Satzbögen und Sinnschritten zu denken. Funktioniert auch beim Redenhalten, weil man sein Publikum immer wieder anschauen kann.« Er macht sich keine Karteikarten und keine Stichpunkte: »Das Schöne an einem Podcast ist, dass es ein 100% enthusiastisches Produkt ist. Wenn Du totale Begeisterung hast über ein BarCamp zu Podcasten, dann hast Du 10.000 Ideen die dabei sind. Mit Karteikarten rettest Du Dich von Karte zu Karte; arbeite lieber mit den 4 Ecken. […] Ihr müsst auch nicht live moderieren, man kann auch einen Cut machen. Ich kann nur dann einen sinnvollen Schnitt machen, wenn ich auch mal die Schnauze gehalten hab’.« Patzer/Outtakes passieren, aber das macht es echt! 
Frage aus dem Publikum: Länge? »Trägt es das Thema? Wenn der Podcast nur noch aus dem Repetieren besteht wird es langweilig.« Beispiel: Interview während des Joggens an der Isar oder 15-Minuten Beitrag zu Playstation 3 (nach dem Pyramiden-Prinzip) Video »Die schwierigste Übung bei einem Video-Podcast ist, dass es teuer ist: Du brauchst teure/treue Freunde (Beispiel: Podcast mit Moderator und Kameramann) oder ein professionelles Team. […] Man braucht jede Menge Schnittbilder. Filme alles worüber Du gerade gesprochen hast nochmal, ohne dass Du oder Dein Interviewpartner zu sehen bist. Man macht viele Bilder, auf denen man selbst nicht zu sehen sind. […] Warum ist Homeshopping live? Weil’s billiger ist. Die filmen mit 4 Kameras, damit sie andere Bilder reinschneiden können.«

Podcast-Equipment und Tools im Web

Ich wurde von einigen Teilnehmern noch gebeten mein Podcast-Equipment und ein paar Tools un Ressourcen für Podcaster im Web aufzulisten:

Podcasts live senden

Wenn ihr die Aufzeichnung eines Podcasts live senden wollt, ist die Webistes 1000 Mikes perfekt. Ihr könnt über einen Flashplayer live mit Eurem Notebook auf Sendung gehen. Wie das klingt könnt ihr Euch bei einem Beispiel zu den E3 Pressekonferenzen anhören. Die Sendung wird automatisch aufgezeichnet und steht gleich nach dem Ende als Pdocast zum Download bereit.
 

 



Über den Autor:

Michael Praetorius

Michael Praetorius, geboren 1978 in München ist Publizist, Berater und Unternehmer. Er arbeitet bei der AKOM360 (Publicis Gruppe) sowie als Geschäftsführer des Sftware-Unternehments NOEO. (Kontaktanfragen bitte auf diesem Weg)

Zu seinen Spezialgebieten gehören digitale Medienkonzepte und die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Zu seinen Auftraggebern gehören Verlage, Fernseh- und Radiosender, Videospielepublisher, Agenturen und Behörden. 

An der Bayerischen Akademie für Werbung war Michael Praetorius Fachbeirat für Digital Media Management und Lehrgangsleiter für Digitalmarketing. Zudem ist Michael Praetorius langjähriger TV- und Hörfunkjournalist. Bei Antenne Bayern leitete Michael Praetorius die Online- und New Business-Abteilung und war als Chef vom Dienst und Sprecher in den Nachrichten zu hören.

Michael Praetorius bloggt auf dieser Website und moderiert mehrere YouTube Formate wie unter anderen die Münchner Isarrunde und die Kreativ Lounge.

Trivia: Praetorius ist verwandt mit dem gleichnamigen Renaissance- und Barock-Komponisten, wenn auch leider selbst völlig unmusikalisch.


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