Zukunftsmusik: wie Sensoren und Algorithmen das Radio verändern könnten

Gutes Radioprogramm wird von echten Menschen gemacht, würde jeder Radiomacher auf dem Radiocamp im Hamburg sagen. Musikredakteure haben das beste wissen, welcher Mix die beste Laune macht, welche Inhalte zu welchem Zeitpunkt am besten passen und wie ein Radioprogramm die geringsten Abschaltfaktoren bietet. Doch das handgemachte Radioprogramm hat Konkurrenz bekommen. Hinter der Musikauswahl stehen keine Musikredakteure, sondern Computer, die über Musterkennung von Melodien, Hörverhalten und Freundschaftsbeziehungen in sozialen Netzwerken versuchen, den individuellen Geschmack zu treffen. Künftig könnte auch Sensoren in Autos und Radiogeräten dieses Hörerlebnis noch verändern.
 
Sensoren im Auto beeinflussen die Musik aus dem Radio
Ein Beispiel: Die Strasse ist regennass, ein Neuwagen fährt mit 120 Km/hüber die Autobahn. Für den Fahrer war es ein langer Tag. Sein erster Termin im Kalender mit einer Xing-Kontakt war um 9.30 Uhr. Nun ist es ist 2.30 Uhr in der Nacht. Zeit, langsam nach Hause zu kommen. Im Radio läuft Musik - doch welche Musik? Chillout-Klänge? Rock? Ein Wortprogramm? Welches Radioprogramm gefällt unseren Autofahrer aufgrund seines bisherigen Hörverhaltens und wie kann dieses im Rahmen der besonderen Fahr- und Wettersituation nun dazu beitragen, dass es eine sichere Heimfahrt wird?

RFID-Chips im Radio und Facebook Connect
Ein zweites Bespiel: es ist früher Abend, eine lauer Sommernacht, die Balkontür ist offen, das Radiogerät erkennt über einen RFID-Chip, dass sich nur zwei Menschen im Raum befinden, die auf ihrem ebenfalls mit einem RFID ausgerüsteten Handy mit dem mobilen Internet verbunden sind. Das Radiogerät ist mit Facebook-Connect verbunden und erkennt bei beiden anwesenden Personen als Beziehungsstatus Single. Welche Musik läuft nun im Radio? Love Hurts? 
 
Dieses Szenario ist durchaus skurril, überzeichnet und nimmt einem Radioprogramm viele Elemente, die heute den Erfolg des Massenmediums Radio ausmachen. Doch dieses Szenario zeigt auch etwas anderes: Wir könnten ein sehr individuelles Unterhaltungsangebot erleben, das in keinster Weise böse ist, wenn mir privateste Daten mit Computern sharen. Klickt man in die Privatsphäreneinstellungen sämtlicher Online-Angebots wie Facebook, LinkedIn, Last.FM, Xing u.a. finden sich dort nur die Optionen die Datenweitergabe an bekannte oder fremde Personen zu regeln. Auch wenn wir heute bei Facebook sehr gut einstellen können, welche Fotos und Informationen Kollegen oder Freunde von uns sehen dürfen, so weiß das jeweilige Online-Angebtot doch viel mehr.
 
Christoph Elzer, Michael Reuter und ich haben über die Datenfreigabe gegenüber Menschen und Maschinen in dieser Isarrunde gesprochen und sind zu durchaus kontroversen Ansichten gekommen. Ich freue mich, wenn ihr hier im Blog, bei der Isarrunde oder bei YouTube über dieses Episode mitdiskutiert.
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